Entwicklung des „M & A Markts“

Geschrieben am 30.06.2011

Mehr Deals, mehr Volumen im M&A-Markt.
Laut einer Studie verschieben sich die Kräfteverhältnisse langsam wieder zugunsten der Verkäufer.

Der Markt für Mergers und Acquisitions normalisiert sich und wird wieder verkäuferfreundlicher. Das ist die Kernaussage der vor Kurzem präsentierten „CMS European M & A Study 2011“. Die Zahl der Deals sei gestiegen, ebenso das Transaktionsvolumen, sagt Peter Huber, Managing – Partner bei CMS Reich–Rohrwig Hainz. „Und es gibt Anzeichen, dass sich bei der Verteilung der Vertragsrisken zwischen Käufern und Verkäufern ein Gleichgewicht eingestellt hat.“ Denn auf Käuferseite gebe es wieder mehr Wettbewerb, was dazu führen könnte, „dass Käufer trotz der Ernüchterung im Zuge der Finanzkrise wieder bereit sind, mehr Risken zu übernehmen.“

„Käufer agieren vorsichtig“

An eine Rückkehr zur Vorkrisen – Risikoverteilung, die eher zulasten der Investoren ging, glaubt Huber jedoch nicht. Das bestätigt Stefan Gurmann, Rechtsanwalt bei Lansky, Ganzger & Partner. Es seien zwar wieder mehr Unternehmen bereit zu investieren, die Risken werden aber sehr genau geprüft. Speziell bei Transaktionen in der CEE- Region unterziehe man Targets einer intensiven Due – Diligence – Prüfung. „ Unternehmen suchen bei der Vertragsgestaltung ein sehr hohes Maß an rechtlicher Absicherung, bei einer unsicheren Rechtslage wird ein Projekt rasch abgebrochen.“

Farid Sigari-Majd, Rechtsanwalt bei Freshfields Bruckhaus Deringer, sieht die Rollenverteilung bei M & A Deals differenziert: Ob das Umfeld eher käufer- oder verkäuferorientiert sei, sei je nach Branche unterschiedlich. Reges Käuferinteresse gebe es etwa im Energiebereich, bei Solarenergie, Wasser –oder Windkraft. Etwas schwieriger sei die Situation dagegen im Bankenbereich.

Dass wieder verstärkt Finanzinvestoren auf dem Markt sind, nützt tendenziell den Verkäufern. Dazu kommt – so Florian Kranebitter, Partner bei fwp – dass manche Private- Equity-Fonds, die in den Jahren 2009 und 2010 ihre Portfolio bereinigen mussten, nun unter Investitionsdruck stehen. Laut Hanns F. Hügel, Professor an der Uni Wien und Partner bei bpv- Hügel Rechtsanwälte, war der heimische Markt in den letzten Jahren sogar verkäuferfreundlich: „In Österreich läuft das M & A Geschäft vor allem über strategische Investoren. Ein attraktives Traget erzielt hier – im Rahmen einer „limited auction“ – selbst während der Krise stets einen guten Kaufpreis.“ Bei einer „limited auction“ lädt der Verkäufer einen beschränkten Kreis an Investoren ein, Anbote abzugeben. Die Bestbieter kommen auf eine Shortlist, mit ihnen werden Verhandlungen geführt. „Dabei konnten oft Preise weit über dem Unternehmenswert erzielt werden“, so Hügel.

Wenn die Marktposition der Verkäufer stärker wird, bedeutet das Änderungen bei der Vertragsgestaltung. Laut der CMS – Studie ist zu erwarten, dass sich etwa Haftungshöchstgrenzen nach unten verschieben und Fristen für Garantien kürzer werden. Erstere stiegen im deutschsprachigen Raum zuletzt stark an und erreichten 2009 bis zu 35, 2010 sogar bis zu 42 Prozent des Kaufpreises.

Andere Länder, andere Klauseln

Die Studie zeigt auch länderspezifische Unterschiede. So sind MAC – Klauseln („Material – Adverse-Change-Klauseln) in den USA beliebter als in Europa. Die Briten tätigen kaum Anschlüsse ohne Haftungshöchstgrenzen, die Verjährungsfristen für Garantien sind dort kürzer als im übrigen Europa. In Frankreich sind Earn-out-Klauseln sehr beliebt. Sie sehen vor, dass Teile des Kaufpreises nur fällig werden, wenn das Unternehmen bestimmte Werte überschreitet. In Südeuropa hat die Zahl der Verträge mit Earn-Out-Regelungen abgenommen, am seltensten werden sie – ebenso wie Wettbewerbsverbote- im CEE –Raum vereinbart.
Autor : Mag. Katharina Braun, in „ Die Presse“ am 30.6.2011

 

 
Haben Sie weitere Fragen, dann wenden Sie sich bitte an Rechtsanwältin Mag. Katharina Braun unter office@rechtsanwaeltin-braun.at