Nebenkosten von Investmentfonds

Geschrieben am 15.03.2012

Wie sparsam ist das Fondsmanagement?

Nebenkosten. Ausgabeaufschlag, Managementgebühr, Verkaufsspesen, Depotkosten: Sie werden von Anlegern oft zu wenig beachtet, tragen aber nicht unwesentlich dazu bei, ob sich ein Investment lohnt oder nicht.

Bei Investmentfonds schauen Anleger meist nur auf Rendite und Risiko. Klarheit verschaffen solle man sich jedoch auch über die anfallenden Nebenkosten. Hier lohnt sich ein Preisvergleich: Sogar für ein und denselben Fonds kann es auf dem Markt bedeutende Unterschiede bei der Höhe der Spesen geben.

Seit 1. September 2011 ist in Österreich das neue Investmentfondsgesetz (InvFG) 2011 in Kraft, das die sogenannte UCITS IV- Richtlinie in innerstaatliches Recht umgesetzt hat. Durch diese Richtlinie wurde ein europaweit einheitliches „ Kundeninformationsdokument“ (KID) eingeführt, das den bisherigen „Vereinfachten Prospekt“ ersetzt. Dort finden sich Angaben über den Fonds, seine Anlageziele und Anlagestrategie, bisherige Wertentwicklung, Risiko-/Renditeprofil. Und ebenso über die Kosten und Gebühren.

Transaktionsgebühren beachten

Fallen beim Ankauf der Fondsanteile keine Belastungen an, gibt es meist Verkaufsspesen, so Margit Potzgruber, selbständige Vermögensberaterin aus Wien: „ Entweder man zahlt am Anfang oder am Ende.“ Der Ausgabeaufschlag sei oft verhandelbar und richte sich „ nach dem Betrag des Investments und der Beratungsintensität, die man in Anspruch nimmt“.

Auch wenn ein Fonds häufig Papiere kauft und verkauft, fallen Kosten an, nämlich Transaktionsgebühren. Fonds, die ihre Positionen nur selten umschichten, sind diesbezüglich „sparsamer“. Anleger sollten darauf achten, ob sich der Fonds zur Anwendung des Best – Execution- Prinzips verpflichtet hat. Denn das bedeutet, dass der Fondsmanager versuchen muss, bei Transaktionen die Kosten möglichst gering zu halten.

Gerhard Massenbauer, Geschäftsführer der Censeo Vermögensverwaltung, sieht in einem Fonds „ letztlich so etwas wie ein Unternehmen, das seine Kosten zu einem Großteil selbst zu tragen hat“. Das „ Management fee“ dürfte nicht über den im Prospekt genannten Satz steigen. Mitunter würden Anlegern auch Marketingkosten angelastet: „Wenn Gesellschaften ihre Prospekte groß bewerben, lohnt sich das Nachfragen, wie sie das finanzieren.“ Anderseits könne es aber zum Vorteil der Fonds sein, sein Volumen zu steigern, “weil dann die Grenzkosten, die auf dem Vermögen lasten, besser verteilt werden können.“

Da jeder Investmentfonds in Österreich über ein Wertpapierdepot abgewickelt werden muss, bedarf es eines Verrechnungskontos für den Zahlungsverkehr. „ An Kontogebühren fallen zwischen 14 und 30 Euro im Jahr an“, so Potzgruber. Sie empfiehlt als Depotstelle „ eher Banken, die auf Wertpapierabwicklung spezialisiert sind“, und rät Anlegern, nicht mehr als ein bis zwei Wertpapierdepots zu halten, „ um einen guten Überblick über die Anlagen zu bewahren, aber auch, um Kosten zu sparen“. Die Depotgebühr selbst wird meist quartalsweise vom jeweiligen Kurswert berechnet und beträgt laut Potzgruber von 0,125 bis 0,75 Prozent zuzüglich Umsatzsteuer. „ Viele Banken verrechnen einen Mindestbetrag zwischen 28 und 36 Euro. Beim Gebührenvergleich ist darauf zu achten, ob es sich um „All in Fee“ oder nur um eine Mindestgebühr handelt.“

Sparplan: Laufzeit einhalten

Auch Sparpläne mit fixer Laufzeit können zur Kostenfalle werden, warnt Manfred Lappe, Gerichtssachverständiger für Wertpapiere und Fonds sowie Buchautor zum Thema Geldanlage. Dabei verpflichtet man sich, über einen festgelegten Zeitraum jährlich einen bestimmten Geldbetrag zu investieren. Die Vermittlungsgebühr berechnet sich von der anzusparenden Summe – steigt man vorzeitig aus, zahlt man drauf.

Massenbauer verweist im Zusammenhang mit Nebenkosten auf die Vorteile sogenannter „ Exchange Traded Funds“ (ETFs). Sie werden nicht aktiv gemanagt und bilden meist einen Index ab, weshalb Verwaltungsgebühren und Transaktionskosten niedrig sind.

Alle Kostenfaktoren eines Fonds finden sich in der „Total Expense Ratio“ (TER). Sie gibt das prozentuelle Verhältnis der Kosten zum Fondsvermögen an. Lappe empfiehlt jedoch, sich bei einer Anlagenetscheidung nicht nur daran zu orientieren. Sondern lieber“ die Performancezahlen einer genauen Prüfung zu unterziehen und vor allem zu schauen, wie sie in Krisenzeiten waren. Denn in guten Zeiten ist es ja nicht wirklich schwer, Geld zu verdienen.“

Autor: Mag. Katharina Braun, veröffentlicht in „ die Presse“ am 15.3.2012

 

 
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